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Worte

Worte. Meine größte Macht und längste Liebe. Ich tue nichts lieber als reden. Die Aussicht auf gute Gespräche treibt mich durch den Tag. Ob es mit den besten, engsten Freunden oder einem Fremden in der Bahn ist, mit dem Bettler in der Einkaufsstraße oder der Verkäuferin in der Buchhandlung. Ob kurze Floskeln mit den Kassierern an den Supermarktkassen oder Streits mit Autofahren über die Abbiegeregeln für Lieferfahrräder - ob still, leise und bedacht, laut über das Dröhnen eines Motors rufend, flüsternd eine Gutenachtgeschichte sprechend, oder resolut und schroff mit jemand anderem im Streit. Irgendwie liebe ich all diese Gespräche. 

Und dann gibt es Momente, die nach Stille brüllen, in denen jedes Wort nur rückwärts zählt. Denn jedes einzelne verletzt, verbrennt und verbreitet sich, verdoppelt und verdreifacht sich, wie die goldenen Kelche im letzten Harry Potter Film. 

Worte sind meine größte Macht und längste Liebe. Doch manchmal vermögen Worte nichts anderes, als eine missverständliche Situation noch missverständlicher zu machen, und einen Streit noch schlimmer.